Mittwoch, 20. Mai 2020

Diamantenindustrie steht still

Aufgrund der weltweit eingeführten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stehen auch vielerorts die Diamantenminen still. Bereits im März hatte Indiens Premierminister Narendra Modi eine Stilllegung nahezu der gesamten Wirtschaft angeordnet. Auch die Stadt Surat ist davon betroffen, die weltweit als Zentrum der Diamantenbe- und -verarbeitung gilt. Mittlerweile werden rund 90 Prozent aller Schleif- und Polierarbeiten an Diamanten in Indien ausgeführt, der größte Teil direkt in Surat.

In guten Zeiten sind alleine in dieser Stadt rund 20.000 Menschen in der Diamantenindustrie beschäftigt. Die meisten von ihnen sind aber aufgrund der fehlenden Arbeit zurück in ihre Heimatorte gereist.

Indien ist wichtigster Diamantenbearbeiter

In der Vergangenheit hatte es Indien geschafft, andere wichtige Konkurrenten im Bereich der Edelsteinbearbeitung abzuhängen, darunter auch China. Selbst die großen Minengesellschaften, wie De Beers oder Rio Tinto, waren nahezu gezwungen ihre Rohdiamantenproduktion nach Indien zu verkaufen. Dort wurden die Diamanten dann veredelt und in die ganze Welt ausgeliefert.

Bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus bekamen die Minengesellschaften mit, dass die indische Wirtschaft ins Stocken geriet. Dabei zog sie auch die kapitalintensive Diamantenveredelung mit in den Abwärtsstrudel.

Diamantenlieferketten unterbrochen

Durch die allgemeinen Corona-Maßnahmen sind nun auch weltweit die Diamantenlieferketten ins Stocken geraten. In Südafrika und Kanada haben viele Minen ihre Aktivitäten deutlich reduziert. Auch in den Handelszentren für Diamanten, so etwa in Antwerpen, wurde der Verkauf der Edelsteine bereits weitestgehend eingestellt. Damit ist die gesamte Lieferkette ins Stocken geraten, in einigen Fällen kommt es darauf basierend zu massiven Zahlungsverzögerungen und gar Insolvenzen.

Mittlerweile sind aufgrund der fehlenden Bearbeitungsmöglichkeiten für Diamanten sogar die Preise für Rohdiamanten kräftig gefallen, teilweise bis zu 20 Prozent. Zwar hat der indische Premierminister mittlerweile eine Wiederbelebung der Wirtschaft angekündigt, allerdings dürfte dies dem Diamantenbereich kurzfristig nicht mehr helfen. Aufgrund der sich weltweit abzeichnenden Wirtschaftsprobleme erwarten Experten nur eine sehr langsame Erholung, die sich über die beiden kommenden Jahre ziehen soll. Diamanten gehören schließlich nicht zu den lebensnotwendigen Käufen, wie Brot oder Milch, sondern man könnte deren Kauf auch durchaus verschieben oder ganz darauf verzichten.

© WEGHV Redaktion