Dienstag, 21. Juli 2015

Goldpreis erreichte tiefsten Stand seit fünf Jahren

Wer in den letzten Wochen einen Blick auf die internationalen Börsen warf, der sah dort alles andere als ein sanftes Dahinplätschern. Es herrschte im Gegenteil massive Bewegung. In dieser Zeit hätte der Goldpreis eigentlich steigen müssen, wie es die Wirtschaftsgeschichte zeigt. In der Regel gilt Gold als Krisenwährung, in die man sich in unsicheren Zeiten flüchtet.

Stattdessen jedoch sinkt der Goldpreis und das schon seit mehr als drei Monaten. Am Montag sackte er sogar zeitweise auf 1.088 US-Dollar pro Feinunze ab, ein Wert, der zuletzt im März 2010 erreicht wurde. Zwar konnte der Goldpreis sich wieder auf 1.115 US-Dollar je Feinunze erholen, schloss damit aber immer noch 1,7 Prozent unter dem Wert vom Freitag ab.

Wer sich den Goldpreis langfristig betrachtet, stellt fest, dass er 2001 noch bei 250 US-Dollar je Feinunze lag. Nachdem die Internetblase platzte, stieg er rasant an. Seinen Höhepunkt fand er 2011 bei etwa 1.900 US-Dollar je Feinunze. Damals hatte man sogar einen Goldpreis von 2.000 US-Dollar und mehr vorhergesagt. Im Gegenzug geht man heute davon aus, dass sogar ein Preisrutsch unter die psychologisch wichtige Grenze von 1.000 US-Dollar je Feinunze möglich ist.

Amerikanische Geldpolitik versetzt Goldpreis in Angst und Schrecken

Gründe für den massiven Absturz könnten unter anderem in der US-Geldpolitik liegen. So geht die Notenbankchefin Janet Yellen noch in diesem Jahr von einer Anhebung der US-Leitzinsen aus. Die Wirtschaft in den USA erholt sich nämlich schneller als ursprünglich erwartet. Auch in Europa könnten dann die Zinsen schneller als erwartet wieder steigen. Das Gold als solches hätte damit als Krisenwährung erst einmal ausgedient.

Allerdings spielen auch die Devisenmärkte eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Goldpreises. Steigen die Zinsen nämlich nur in den USA, so würde das bedeuten, dass viel Geld dorthin fließt. Damit würde der US-Dollar gegenüber dem Euro weiter gestärkt. Für die Anleger aus Europa bedeutet dies, dass sie immer höhere Euro-Beträge für Gold hinlegen müssten, obwohl es in US-Dollar gehandelt wird.

Vermögensverwalter Bert Flossbach sieht Gold als Währung der letzten Instanz. Kommt es zu Abwertungsgefechten und verschlechtern sich die globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, könnte Gold wieder anziehen. Ab 2008, als die globale Finanzkrise ihren Anfang nahm, investierten Anleger vermehrt in Gold. Sie befürchteten den Zusammenbruch des gesamten, globalen Finanzsystems. Dieses hat sich mittlerweile wieder erholt, doch macht man sich heute Gedanken um die Zukunft der Währungen Euro und Yen. Den US-Dollar sehen die Anleger jedoch größtenteils als sicheren Hafen und Experten gehen davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Goldnachfrage und damit der Goldpreis, auch in US-Dollar, wieder anziehen.

China beeinflusst Goldpreis ebenfalls sehr stark

Entscheidend für die Entwicklung des Goldpreises ist auch die Lage in China. So hat das Land in den letzten Jahren seine Goldreserven kräftig aufgestockt. Der Goldbestand ist seit April 2009 um 60 Prozent gestiegen. Ende Juni 2015 hortete die Zentralbank in Peking eigenen Angaben zufolge 1.658 Tonnen des gelben Edelmetalls. Wie das Online-Portal Statista errechnete, landet China somit im Ranking der Länder mit den größten Goldvorräten auf Platz fünf. Die ersten vier Plätze setzen sich wie folgt zusammen:

1. USA – 8.134 Tonnen Gold
2. Deutschland – 3.383 Tonnen Gold
3. Italien – 2.452 Tonnen Gold
4. Frankreich – 2.435 Tonnen Gold

Allerdings waren Marktbeobachter von deutlich höheren Goldreserven in China ausgegangen. Mittlerweile sind sogar erste Hinweise erkennbar, aus denen hervorgeht, dass China seine Goldbestände sogar abbauen könnte. Bereits am Montagmorgen ergab sich ein solcher Hinweis, als an der Shanghai Gold Exchange innerhalb von zwei Minuten fünf Tonnen Gold den Besitzer wechselten. Zum Vergleich: Normalerweise werden 25 Tonnen des gelben Edelmetalls am Tag gehandelt. Ein ähnliches Bild ergab sich an der New Yorker Börse Comex, wo es zu großen Umschlagsmengen des Edelmetalls kam.

Allerdings ist nicht bekannt, wer die Käufer und Verkäufer waren, denn diese bleiben bei derartigen Transaktionen meist anonym. So könnten die großen Verkäufe auch andere Gründe haben. Beispielsweise könnte es sich um Stop-Loss-Verkäufe handeln. Diese werden automatisch ausgelöst, wenn der Goldpreis unter einen vorher vom Anleger festgelegten Wert fällt.

Fakt ist jedoch, dass es gute Gründe für die Anleger in China gibt, sich vom Gold zu trennen. Die Blase an den Börsen ist geplatzt, viele Anleger haben große Summen Geld verloren, müssen jetzt Schulden begleichen und nehmen dafür oft Notverkäufe, etwa des Goldes, vor. Zusammen mit der ohnehin nachlassenden Nachfrage nach dem gelben Edelmetall ergibt sich der Abwärtstrend beim Goldpreis. Alleine im vergangenen Jahr soll die Goldnachfrage um vier Prozent gesunken sein, wie der World Gold Council bekannt gab. Für Anleger bedeutet dies aber nicht, dass sie um jeden Preis verkaufen sollten.

© WEGHV Redaktion