Donnerstag, 12. Februar 2015

Griechen setzen nach den Wahlen auf Gold

Die Griechen wissen nicht, wie es im andauernden Streit zwischen dem eigenen Land und der EU weiter geht und fürchten darum, was aus ihrem Geld wird. Deshalb ist ein signifikanter Anstieg bei der Goldnachfrage aus Griechenland zu verspüren. So teilte Coin Invest, ein Onlinehändler aus Frankfurt mit, dass die Goldnachfrage sich in den fünf Tagen nach der Griechenland-Wahl gegenüber „normalen" Zeiten verzehnfacht habe.

Griechische Anleger bestellten in dieser Woche Goldmünzen und –barren im Wert von mehr als zwei Millionen Euro. Auch in der zweiten Woche nach der Wahl blieb die Nachfrage überdurchschnittlich hoch und betrug nahezu das Doppelte der normalen Nachfrage. Wie der Direktor des Edelmetallhändlers, Daniel Marburger, erklärte, haben die Anleger Angst vor der Verstaatlichung, vor Liquiditätsproblemen und einer Pleite der Banken im eigenen Land.

Griechen kaufen überall vermehrt Gold ein

Auch der Münchener Edelmetallhändler Pro Aurum berichtet von einer steigenden Nachfrage nach Gold aus Griechenland. Vor allem die Goldmünze Sovereign, die in Griechenland seit eh und je sehr beliebt ist, werde derzeit verstärkt nachgefragt. Im Januar lagen die Umsätze 70 Prozent über den Durchschnittswerten der vorangegangenen drei Monate. Zuletzt sind nach Angaben von Pro Aurum mehrmals pro Woche Anfragen über 5.000 bis 10.000 Sovereigns eingegangen. Bereits in der Zeit vor der Wahl sei die Nachfrage deutlich gestiegen, was wohl darauf zurückzuführen sei, dass sich das Ergebnis bereits abgezeichnet habe. Die Griechen glauben nicht mehr an die Sicherheit der Banken und flüchten sich deshalb in das wertstabile gelbe Edelmetall. Zudem könnten Edelmetalle bis zu einem Wert von 15.000 Euro anonym gekauft werden, was vielen Griechen zupass kommt.

Royal Mint aus Großbritannien berichtet ebenfalls von einer signifikant angestiegenen Nachfrage nach den Sovereigns. Allerdings gibt die Münzprägeanstalt keine genauen Zahlen bekannt. Dennoch sieht man auch in Großbritannien unsichere Zeiten, sowohl politisch, als auch finanzwirtschaftlich, als Grund für die gestiegene Goldnachfrage aus Griechenland.

Die National Bank of Greece gab demzufolge ebenfalls eine erhöhte Nachfrage nach Gold bekannt. Das Institut aus Athen habe im Januar 5.849 Sovereigns verkauft. Für die Käufe haben die Griechen bereits seit Dezember 2014 rund 15 Milliarden Euro von den Konten abgehoben. Die National Bank of Greece gibt weiterhin an, dass damit im Januar so viele Sovereigns verkauft wurden seien, wie jeweils im zweiten und dritten Quartal des letzten Jahres. 7.857 Goldmünzen wurden den Angaben zufolge in den letzten drei Monaten 2014 verkauft – gegenüber fast 6.000 Münzen nur im Januar 2015.

Goldrausch geht in Griechenland weiter

Dennoch sei der Goldrausch noch nicht so hoch, wie kurz nach dem Ausbruch der Finanz- und Euro-Krise, wie die Nationalbank im Hinblick auf ihre Statistiken erklärte. Damals flüchteten sich ebenfalls zahllose Griechen in das gelbe Edelmetall, obwohl die Preise damals sehr hoch waren. So kostete die Feinunze im Sommer 2011, als die Angst vor einem Zusammenbruch des Euroraums anstieg, über 1.900 US-Dollar. Durch Spekulationen von Anlageprofis und die weitere Entwicklung sank der Preis aber wieder merklich, auf jetzt rund 1.237 US-Dollar je Feinunze.

Trotzdem rechnen Marktbeobachter auch weiterhin damit, dass die Angst der Griechen vor dem Verlust des eigenen Vermögens bestehen bleibt und dementsprechend der Goldrausch noch lange nicht vorüber sei. Die Nachfrage dürfte also hoch bleiben, wenngleich der Goldpreis sich davon bisher wenig beeindruckt zeigt.

© WEGHV Redaktion