Montag, 02. Februar 2015

Russland stockt Edelmetallreserven massiv auf

Der Ölpreis stürzt in die Tiefe, der Rubel tut es ihm nach, in Russland droht eine Rezession. Wer genauer hinsieht, erkennt aber auch, dass der Kreml im Dezember 2014 bereits zum neunten Mal in Folge seine Edelmetallreserven aufgestockt hat. Laut Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind die Bestände der Zentralbank in Russland um 19 Tonnen angestiegen, so dass sie jetzt bei 1.206 Tonnen liegen.

Damit hat Russland, trotz dem fallenden Rubel, der schrumpfenden Devisenreserven und dem Ölpreisverfall den größten Goldschatz seit dem Ende der Sowjetunion angehäuft – ganz heimlich, still und leise. Im letzten Jahr hat Russland bei den Edelmetallreserven sogar den bisherigen Anführer China überholt. Damit hat Russland jetzt den sechstgrößten Goldbestand weltweit.

Was will Russland mit den massiven Goldkäufen bewirken?

Ganz klar ist dem Beobachter allerdings nicht, was der massive Ankauf von Gold bringen soll. Gut 13 Prozent des Staatsschatzes, der immerhin 378 Milliarden US-Dollar beträgt, sind derzeit in Gold angelegt. 290 Milliarden sind in IWF-Sonderziehungsrechten und Anleihen investiert worden, die sich nur schwer veräußern lassen. Damit befindet sich ein Großteil des Staatsschatzes in illiquiden Anlageformen. Eigentlich ist in Anbetracht dieser Zusammensetzung der Goldkauf kaum zu erklären.

Doch es scheint so, als wolle Russland sich durch das Horten des Goldes möglichst unabhängig vom Westen machen. Gold ist im Gegensatz zum US-Dollar eine staatenlose Währung. Keine Regierung kann über Gold bestimmen, weshalb es gerne von autoritären Herrschern genutzt wird.

Washington soll zudem den US-Dollar als finanzielle Waffe entdeckt haben. So wurde Banken verboten, mit unliebsamen Staaten US-Dollar-Transaktionen durchzuführen. Da sich die Banken gegen diese Maßnahmen kaum zur Wehr setzen können, ist die Waffe US-Dollar sehr wirkungsvoll. Der Kreml scheint sich nun auf eine langanhaltende Isolation einzustellen und will sich mit der Aufstockung der Goldreserven gegen weitere politische Verschlechterungen wappnen.

165 Tonnen mehr Gold in Russland

Alleine im letzten Jahr hat Russland seinen Goldschatz den Angaben zufolge um 165 Tonnen aufgestockt – so viel, wie keine andere Nation der Erde. Mehr als jede dritte Tonne verkauften Goldes im letzten Jahr ging nach Moskau. In nur fünf Jahren wurden die Edelmetallreserven von Russland so verdoppelt. Fast vier Prozent der weltweiten Notenbankreserven in Gold hält jetzt der Kreml in Moskau. In den 1990er Jahren war der Anteil Moskaus gerade einmal bei einem Prozent notiert worden.

© WEGHV Redaktion