Edelmetall Silber

Neben Gold gehört Silber zu den besonders wertvollen und seit vielen Jahrtausenden bekannten Edelmetallen. Silber besticht nicht nur durch seine Werthaltigkeit, sondern ebenso durch seinen eleganten, ansprechenden Glanz. Doch wie hat sich das Edelmetall entwickelt, welche Verarbeitungsformen gibt es und was macht es so wertvoll? Diesen und weiteren Fragen wollen wir auf den Grund gehen.

1.  Geschichte des Silbers

2.  Eigenschaften von Silber

3.  Maßeinheiten, Feinheiten und Legierungen von Silber

4.  Wo kommt Silber vor?

5.  Wie sieht es mit Angebot und Nachfrage bei Silber aus?

6.  Anwendungsbereiche von Silber

    a. Silber in der Industrie

    b. Silber in der Medizin

7.Silber zur Geldanlage nutzen

 

Geschichte des Silbers

Silber gehört zu den ältesten Edelmetallen und war bereits im fünften Jahrtausend vor Christus bekannt. Die Assyrer bezeichneten das Edelmetall als „sarpu“, bei den Germanen hieß es „silabra“, bei den Goten „silubr“ und bei den Römern „argentum“. Die Römer leiteten ihr Wort für Silber aus dem Griechischen ab. Hier steht „argyros“ für weiß-metallisch. Der hierzulande gebräuchliche Begriff „Silber“ stammt übrigens aus dem Altnordischen. Dort steht er für hell, licht oder eben weiß.

Silbermünzen kennt man in Griechenland bereits seit dem siebten Jahrhundert vor Christus. Das Rohmaterial stammte dabei aus den Minen von Lavrion, einem Ort, der etwa 50 Kilometer südlich von Athen liegt. Anfangs wurde das Edelmetall Silber sogar als wertvoller als Gold angesehen.

Interessant ist auch, dass der Begriff „argentum“ für Silber von den Römern noch heute Anwendung findet, denn in der Chemie steht Ag als Kürzel für das Edelmetall. Dieses wurde bereits 1814 von J. J. Berzelius eingeführt. Silber ist unter den Edelmetallen das Element, das am häufigsten vorkommt. Die Alchemisten kannten das Edelmetall ebenfalls und nutzten einen Halbmond als Symbol für selbiges. Damit wollte man der Mondgöttin Luna huldigen, die für Klarheit und Reinheit stand und das weibliche Prinzip verkörperte.

Ab etwa 1870 setzte sich Gold als Zahlungsmittel vermehrt durch, das Silber verlor an Bedeutung. Die Wertverhältnisse zwischen beiden Edelmetallen veränderten sich deutlich, von anfangs 1:14 auf bis zu 1:100. Allerdings stieg der Wert im Laufe der Zeit wieder und heute gehört Silber mit zu den wertvollsten Edelmetallen.

Eigenschaften von Silber

Das Edelmetall Silber zeichnet sich durch seinen strahlenden, weißen Glanz aus. Silber gehört zu den eher weichen Metallen und ist nach Gold das zweitdehnbarste Metall. Natürlich kann auch Silber Strom und Wärme leiten, es gilt sogar als bester thermischer und elektrischer Leiter unter allen Metallen. Silber kann mit fast allen Metallen, ausgenommen sind lediglich Eisen und Cobalt, legiert werden.

Silber schmilzt bei Temperaturen von 961,93 Grad Celsius und weist eine Dichte von 10,5 Gramm je Kubikzentimeter auf. Die Härte nach Mohs liegt bei 2,7. Ebenfalls ist das Silber das Metall, das das höchste Reflektions- und Absorptionsvermögen für Licht aufweist. Silber lässt sich in konzentrierter Schwefelsäure oder in Salpetersäure lösen. Salzsäure kann ihm dagegen nichts anhaben. Auch in Laugen bleibt Silber beständig, nur in Alkalicyanid-Lösungen löst es sich auf.

Silber ist empfindlich gegenüber Schwefelwasserstoff und anderen Schwefelverbindungen, die sich in der Luft befinden. Bei Zimmertemperatur verfärbt es sich daher schwärzlich, wobei man vom Anlaufen des Silbers spricht. Dagegen gibt es aber viele Hilfsmittel. So lässt sich Silber sehr gut polieren, durch das regelmäßige Abreiben mit einem weichen Tuch kann die Schwarzfärbung einfach wieder entfernt werden. Weitere Möglichkeiten, um Silber vor dem Anlaufen zu schützen, sind:

  • Luftdichte Lagerung,
  • Rhodinieren – Aufbringen einer dünnen Rhodiumschicht und
  • tägliche Benutzung.

Das Rhodinieren bietet zwar einen guten Schutz vor dem Anlaufen, allerdings verliert das Silber dabei auch den ihm eigenen Glanz. Bei der täglichen Nutzung fällt schnell auf, dass das Silber immer heller und strahlender wird.

Maßeinheiten, Feinheiten und Legierungen von Silber

Auch bei Silber wird das Gewicht in Troy-Unzen angegeben. Eine Troy-Unze entspricht dabei 31,1035 Gramm. Allerdings wird das Wort Troy oft nicht mehr angegeben, so dass die Unze als Maßeinheit gebräuchlicher ist. Ebenso findet sich die Reinheitsangabe, die als Feinheit bezeichnet wird. Sie gibt an, wie viel Anteile Silber enthalten sind, und zwar in 1000stel. Lediglich die Karat-Angabe, die man vom Gold kennt, findet bei Silber keine Verwendung.

Die Feinheiten liegen bei Barren und Anlagemünzen in der Regel bei 999, so dass hier ein sehr reines Silber verwendet wird. Geringere Feinheiten finden sich zum Beispiel bei

  • numismatischen Münzen,
  • Medaillen,
  • Umlaufmünzen und
  • Sondermünzen.

Auch beim Silber gibt es verschiedene Legierungen, deren Ziel es ist, die Eigenschaften des Edelmetalls zu verändern, es also härter zu machen, widerstandfähiger usw. Gerade bei Gebrauchsgegenständen ist eine hohe Robustheit von Bedeutung. Daher wurden diese, wie zum Beispiel Besteck, lange Zeit aus dem 835er Silber ausgeführt. Heute hat sich aber auch hier vorwiegend das 925er Silber durchgesetzt.

Darüber hinaus gibt es die Legierung Neusilber, die aber mit dem Edelmetall wenig zu tun hat. Neusilber besteht aus 45 bis 67 Prozent Kupfer, zwölf bis 45 Prozent Zink und zehn bis 26 Prozent Nickel.  Den Namen erhielt das Silber lediglich wegen des silberartigen Aussehens, das durch den Nickelanteil zustande kam.

Wo kommt Silber vor?

Silber kommt zwar unter den Edelmetallen recht oft vor, wird aber dennoch zu den seltenen Metallen gezählt. Das Edelmetall wird in der Natur nicht in Verbindung mit anderen Elementen gefunden. Es kann in Form von Körnern, Locken, Drähten und Blättchen gefunden werden. Allerdings ist die Oberfläche meist bräunlich bis violett oder schwarz gefärbt. Grund dafür sind die Sulfide und Oxide. Je kleiner die Körnchen sind, desto dunkler wird die Farbe dabei. Bei Silberkristallen, die sehr fein sind, ist eine schwarze Farbgebung an der Tagesordnung.

Zusätzlich kann Silber in Silbererzen vorkommen, dann als chemisch gebundene Silberatome. Mittlerweile kennt man mehr als 129 unterschiedliche Silbermineralien, wie etwa das Silbererz „Silberglanz“, Dycrasito, Pyragyrit oder Stephanit, um nur einige zu nennen.

Heute findet sich das größte Silbervorkommen, das aktiv abgebaut wird, in Amerika, vor allem in Mexiko, und in den Anden-Ländern, wie Peru und Bolivien. Auch in Polen sind große Vorkommen bekannt. In Deutschland hingegen fanden sich größere Silbervorkommen im Mittelalter im

  • Harz, in Goslar, im
  • Sächsischen Erzgebirge, in Freiberg und in
  • Böhmen, in Kutna Hora.

Zu jener Zeit entdeckte man größere Vorkommen ebenfalls in der Slowakei.

Wie sieht es mit Angebot und Nachfrage bei Silber aus?

Die Nachfrage nach Silber steigt an. Lag sie 2009 nach Angaben der World Silver Survey noch bei 922,2 Millionen Unzen, so waren es 2010 bereits 1.056,8 Millionen Unzen. In der Regel stammt das Angebot an Silber aus reinen Silberbergwerken. Allerdings tritt es als Nebenprodukt auch bei der Golderzförderung auf. Recyclingfähige Materialien, wie etwa aus der Fotoindustrie, liefern weiteres Silber auf den Markt.

Anwendungsgebiete von Silber

Silber wird auf vielfältige Weise angewendet, so dass die steigende Nachfrage nicht weiter verwunderlich ist. Vor allem in der Industrie und der Medizin ist es stark gefragt.

Silber in der Industrie

Silber weist zahlreiche markante Eigenschaften auf. Dadurch wird es kaum möglich, dieses Edelmetall in der Industrie durch andere Materialien zu ersetzen. Die Nachfrage aus der Industrie ist daher seit 1950 stark angestiegen, wobei in den letzten zwei Jahrzehnten noch einmal ein deutlicher Nachfrageboom entstand.

Vor allem die Fotoindustrie setzt Silber für die Herstellung von Kameras und die Filmentwicklung ein. Außerdem findet das Edelmetall in der Elektroindustrie seine Anwendung, hier vor allem zur Herstellung von Chips, Batterien und Kondensatoren. Die chemische Industrie nutzt Silber als Katalysator und für Beschichtungen, bei der Herstellung von Spiegeln und vielem mehr kommt es ebenfalls zum Einsatz.

Allerdings ist der prozentuale Silberanteil an den fertigen Produkten extrem gering. Dadurch wirken sich auch Kurssteigerungen für das Edelmetall kaum auf die Endpreise für die fertigen Produkte aus. Doch diese geringen Anteile weisen ebenso Nachteile auf. So lohnt sich das Recycling der geringen Silbermengen wirtschaftlich nicht und das so verbrauchte Silber geht für immer verloren.

Silber in der Medizin

Darüber hinaus wird Silber in der Medizin eingesetzt. Hier sind es vor allem die hygienischen Eigenschaften, die überzeugen, aber auch die Fähigkeit, Bakterien abzutöten. Letztere Wirkung entsteht durch eine Silberoxydschicht, die hervorgerufen wird, wenn Silber mit Sauerstoff in Verbindung kommt und die sich auf dem Silber ablegt. Die Schutzschicht, die chemisch AgO2 heißt, ist mit bloßem Auge nicht sichtbar. Sie ist nur ein Molekül dick und in geringen Mengen sogar wasserlöslich. Bildet sich diese Schicht, werden Silber-Ionen frei. Sie können Pilze und Sporen, aber auch andere Erreger abtöten. Ob Keime oder Bakterien – sie alle werden mit Silber unschädlich gemacht.

Deshalb wird Silber gerne für chirurgische Instrumente eingesetzt. Zudem lassen sich mit nur zwei Gramm Silber eine Million Kubikmeter Wasser sterilisieren. Kolloides Silber kann in weniger als sechs Minuten gegen mehr als 650 Krankheitsbilder wirken. Dabei sind Nebenwirkungen bisher nicht bekannt bzw. völlig unbedenklich. Daher wird kolloides Silber auch als Alternative zu Antibiotika eingesetzt, wo es den Vorteil hat, dass es keine Nebenwirkungen aufweist und nicht resistent gegenüber Bakterien und Viren wird.

Zahnärzte nutzten lange Zeit Verbindungen aus Quecksilber und Silber, das bekannte Amalgam, um damit Zahnfüllungen herzustellen. Allerdings ist man von dieser Anwendung aufgrund der giftigen Wirkung des Quecksilbers zunehmend abgekommen.

Silber zur Geldanlage nutzen

Silber steht und stand in unmittelbarer Konkurrenz zu Gold. Als jedoch um 1870 der Goldstandard eingeführt wurde, verlor das Edelmetall zunehmend an Wert. Dennoch galt es seit jeher als Gold des kleinen Mannes und hat in Münzform, als Werterhaltungsmittel und in anderen Varianten alle Kriege und Gesellschaftsformen sowie Regimes überstanden. Zudem war der Besitz von Silber nie verboten.

Wer das Edelmetall als Geldanlage nutzen möchte, kann sich zwischen Barren und Münzen entscheiden. Die bekanntesten Anlagemünzen sind heute die

  • Kookaburra-Silbermünze aus Australien, die
  • Maple Leaf aus Kanada und der
  • American Eagle aus Amerika.

300x250Zudem sind die Libertad-Münzen bei Anlegern beliebt, die aus Mexiko stammen und mit einem geringen Preisabschlag versehen sind. Sie kommen ohne Nennwert daher.  Die Silberbarren sind bei den Prägeanstalten erhältlich aber auch bei Banken. Diese erteilen den Prägeanstalten nicht selten Aufträge, Silberbarren anzufertigen, sei es für Kunden oder zur eigenen Reservebildung. Silbermünzen und –barren werden beim Kauf mit der Mehrwertsteuer belastet, was bei Gold nicht der Fall ist. Das ist einer der großen Nachteile dieses Edelmetalls als Geldanlage.

 

Mehr Informationen zum Thema Silber: Silberankauf, versilbertes Besteck, Silberschmuck, Silberbarren, Silbermünzen und Industriesilber.